Pädagogische BankrotterklärungIch war zwischenzeitlich schon so verzweifelt, dass ich über Systemisches Coaching nachgedacht habe. Ich bin jedenfalls mit meinem Latein am Ende. Aber vielleicht würde Systemisches Coaching helfen? Diese Idee habe ich aber dann doch wieder verworfen, weil man das mir bestimmt als pädagogische Bankrotterklärung anrechnen würde. Dabei kenne ich Kollegen von anderen Schulen, die regelmäßig gute Erfolge mit Systemisches Coaching haben und das da immer wieder einsetzen. Bei uns im Lehrerzimmer herrscht allerdings in Sachen Systemisches Coaching eine Kultur des Wegschauens. Keiner will zugeben, wenn er Probleme in der eigenen Klasse hat. Dabei könnte man sich das Leben bestimmt so viel einfacher machen. Aber alle tun so, als kämen sie bestens zurecht, was sicher nicht so ist. Man braucht ja nur in die Klassenbücher zu gucken. Vielleicht werde ich bei der nächsten Schulkonferenz doch einmal das Thema Systemisches Coaching ansprechen. Schließlich bin ich nicht mehr die Jüngste und wenn ich mich schon nicht traue, wieso sollten sich dann junge Lehrer trauen? Die würden sofort weggemobbt. Insofern wäre Systemisches Coaching nicht nur was für die Schüler, sondern auch die Lehrer. Wie kann das sein, dass bei uns eine ähnliche Ellenbogenkultur herrscht wie in den Schülern, die wir dazu ermahnen, auf die anderen Rücksicht zu nehmen?
Prügelnde Mädchen Und wenn man dann dazwischen geht und sie ermahnt, beleidigen sie einen auch noch und treten nicht selten auch noch die Lehrerin. Das ist wirklich unfassbar, was man da Tag für Tag über sich ergehen lassen muss. Und die Mädchen halten sich da kein bisschen zurück. Prügelnde Mädchen wären heute undenkbar gewesen. Heute gehört das zum Alltag auf dem Pausenhof. Ein Mädchen in meiner Klasse prügelt sich sogar mit Jungs. Mit ihren Eltern zu reden habe ich schon aufgegeben. Die sprechen leider so schlecht Deutsch, das es sinnlos wäre. Zudem halten sie natürlich zu ihrer Tochter und begreifen gar nicht, dass niemand ihrer Tochter etwas Böses will.
Klassenbuch-Vergleich Jedenfalls hatte ich früher nicht mitten in der Woche dermaßen starke Migräne wie heute und fühlte mich so ausgelaugt. Gut, ich werde auch nicht jünger. Aber ich habe mich neulich mal hingesetzt und alte Klassenbücher durchgeblättert. Nicht nur von meinen Klassen, auch von anderen Klassen. Und dort sah man dann, dass das nicht nur so ein Eindruck von mir was, sondern das sich das auch empirisch nachweisen ließe. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man früher weniger streng war, wenn es um Klassenbucheinträge ging. Im Gegenteil: Vieles, was man früher noch aufgeschrieben hätte und weswegen man sogar die Eltern bestellt hätte, ist heute schon so Gang und Gäbe, dass man darüber hinwegsieht. Früher hat man noch notiert, wenn einer mit schmutzigen Händen in die Schule kam oder die Mütze in der Stunde nicht absetzte. Darüber würde man heute nur lachen. Ich habe im Moment eine Klasse, wo die Jungs mitten in der Stunde aufspringen und sich gegenseitig an die Gurgel gehen!
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